GRIEFYARDS 2026
Petra Holländer
„ Memories ”, 2026
Medium: Acrylic and oil pastel on canvas
60×80cm
Price upon request
www.petrahollaender.com
Abschied nehme ich schon das erste Mal ein bisschen, als ich dich ein Jahr vor deinem Tod nur mehr in deiner Wohnung sehe. Dein Wirkungsraum ist klein geworden. Du bewegst dich nur mehr zwischen Bett, Wohnzimmer und Küche.
Abschied nehme ich, als du mich anrufst, damit ich zu dir fahre um dir aufhelfen, weil du gestürzt bist und allein nicht mehr aufstehen kannst. Deine Eigenständigkeit fehlt dir und damit stirbt schon ein Teil von dir.
Abschied nehme ich von dem Menschen, mit dem ich aufgewachsen bin, als ich dich im Spital besuche. Du möchtest am liebsten verschwinden, deinen Raum in der Realität findest du nur schwierig und mit unserer Hilfe.
Abschied nehme ich jedes Mal, wenn ich dich anschließend im Pflegeheim besuche, du wirst nur mehr zwischen Bett und Stuhl bewegt und der Raum, den du einnimmst in dieser Welt wird zunehmend kleiner. Du reduzierst dich auf das Wesentliche und dieses Wesentliche möchte sterben.
Abschied nehme ich am Weg zu meinem letzten Besuch bei dir ein Monat bevor du stirbst. Ich kann dich nicht mehr besuchen, weil ich weiß das deine Zeit abläuft. In deiner Wahrnehmung ist nur mehr Raum für deine Vorfreude für das Ende und kein Raum für meine Trauer.
Abschied nehme ich ein letztes Mal als ich dich am Abend vor deinem assistierten Suizid anrufe und wir 7 Minuten sprechen, 7 Minuten, um alles zu sagen was uns verbunden hat und Stille, die viel mehr sagt als die gesprochenen Worte. Wir bedanken uns für die kleine Dinge beieinander, die stellvertretend für alles Große stehen, das uns ausgemacht hat. Wir haben uns alle sehr liebgehabt, sagst du. Ja das haben wir.
Abschied von dir, Omi und unserer Liebe nehme ich nie, der Raum dafür bleibt ganz groß.
Aber ich weiß, dass du glücklich warst zu gehen und das nimmt dem Raum sein Gewicht.
Künstler statement:
“Mein gewählter Brief handelt von einer Person, die über den Abschied von ihrer Großmutter schreibt. Der Brief hat mich sowohl durch meine eigenen Erfahrungen mit meiner Oma als auch durch das wiederkehrende Motiv des Raumes berührt. Denn während der Raum, den die Großmutter in der Welt einnimmt zunehmend kleiner wird, bleibt der Raum für die Liebe zu ihr groß.
Inspiriert davon habe ich ein Bild gemalt, das Raum für Trauer, Erinnerung und Verbundenheit schafft. Eine Figur wächst aus einer Landschaft heraus und hält eine Kugel in ihren Händen, die einen Raum für Erinnerungen verkörpert. Zugleich steht sie für die Verbindung zu einem geliebten Menschen, der nicht mehr da ist und durch die Erinnerungen und Gefühle dennoch Teil unserer Welt bleibt. Die ruhige Atmosphäre des Bildes macht diese Nähe spürbar und zeigt, dass die Liebe und Verbundenheit zu einem Menschen auch über den Abschied hinaus etwas Positives und Tröstliches in sich tragen können.” - Petra Holländer
Artist’s notes:
“The letter I chose is about a person writing about saying goodbye to their grandmother. I was moved by the letter both because of my own experiences with my grandmother and because of its recurring motif of space. As the space the grandmother occupies in the world becomes increasingly smaller, the space for love for her remains vast.
Inspired by this, I painted a work that creates space for grief, memory and connection. A figure grows out of a landscape and holds a sphere in their hands, which embodies a space for memories. At the same time, it represents the connection to a loved one who is no longer here but remains part of our world through memories and feelings. The calm atmosphere of the painting makes this closeness tangible and shows that the love and connection we feel for someone can continue to hold something positive and comforting even after saying goodbye.” - Petra Holländer